Mein Künstleratelier

Sämtliche Bilder, Grafiken und literarischen Texte unterliegen dem Urheberrecht von Sybille Liebsch

Arborika (vorläufiger Titel)

 

[…]

 

Kapitel 1:

Manele lies ihren Blick über die weite kahle Ebene der Eisfelder schweifen. Kleine Grasbüschel wuchsen wild durcheinander. Reif glitzerte an den Enden. Fahle lila Blümchen standen einsam dazwischen. Nichts regte sich. Es war noch zu früh für die wenigen Steppenbewohner. Die Mäuse kuschelten sich an ihre Familien und die Eidechsen verharrten in ihrer Nachtstarre bis die ersten Sonnenstrahlen ihre steifen Glieder auftauten.

Manele genoss die Stille. Hinter ihr raschelte einer ihrer Begleiter im Schlaf. Ein Scheit knackte und rutschte herunter.

Aber sie fror und zog ihren Mantel enger um sich. Zur Wache hatte sie sich ein ganzen Stück vom Feuer an den Rand des Plateaus gesetzt. Zu Beginn der Nacht hatte sie es für eine gute Idee gehalten sich den Elementen auszuliefern, damit sie ihre seltsamen Träume und Gedanken forttrugen. Sie waren unverständlich und beunruhigend und so diesig wie dicker Novembernebel.

Nun fraß der Frost an ihren Knochen.

Ein seltsame Bewegung erweckte ihre Aufmerksamkeit. Manele stand auf und rieb ihre kalten Muskeln. Dann schritt sie den halben Weg zur Ebene hinab. Jetzt konnte sie den See sehen. Das schwarze Wasser glitzerte. Aber sonst nichts ungewöhnliches. Das Ufer lag still da. Über der Ebene war noch immer alles verschlafen. Nichts bewegte sich.

Manele wollte gerade wieder umkehren und sich doch ans Feuer setzen, als etwas leuchtend helles unter der Oberfläche lang schlängelte. Manele versuchte genauer hin zu sehen, aber es entglitt ihr zusehends. Langsam ging sie darauf zu Schritt für Schritt.  Die Neugier ließ sie all ihre Vorsicht vergessen. Sie lief ohne Deckung über das Gras direkt zum Ufer.

Was war das? Sie wusste nur wenig über den See, der das schwarze Meer genannt wurde. Es hieß, das Wasser wäre giftig für jeden, der es berührte außer Dämonen. Auch hatte sie einmal gehört, er würde als Portal zur Unterwelt dienen. So genau wusste das niemand und niemand wollte versuchen, es heraus zu finden. Und sie auch nicht.

Sie ging weiter bis zum Rand des Sees. Es trieb wieder nach oben. Es glich einer riesigen leuchtenden Schlange und wand sich hin und her. Dann sah sie noch eine weitere und noch eine. Irgendwoher hörte Manele ein seltsam surrendes Geräusch. Plötzlich schlugen die seltsamen Lichtschlangen aus dem Wasser und peitschten um sich. Entsetzen lähmte sie. Vor Schreck ließ sie ihren Bogen fallen. Dann schoss das Licht direkt auf sie zu, ergriff sie und zog sie mit sich. Sie stieß einen spitzen Schrei aus bevor sie in das schwarze Wasser eintauchte und hinab sank.

 

[...]

Manele schlug auf hartem Fels auf. Ihr Körper schien an unzähligen Stellen aufgerissen zu sein. Und der Schmerz lies nur langsam nach. Dann öffnete sie vorsichtig die Augen. Kalter roter Fels, knorriges Gestrüpp, trockene Luft, kein Blatt, kein Tier, kein Laut. Absolut unwirklich und sicher nicht der Himmel. Sie stand mühsam auf. Das Bild änderte sich nicht. Sie befand sich auf einer Anhöhe. In der Ferne war eine Wüste aber nicht gelb wie die Sandwüste in der Nähe ihres Heimatwaldes, sondern aschgrau wie der Himmel hier. Alles schien tot zu sein. Riesige Schatten machten die Stimmung noch düsterer. Nein, ganz sicher nicht der Himmel. Eher die Hölle. Das Entsetzen hatte ihren Schmerz verdrängt.

Unschlüssig drehte sie sich um die eigene Achse. Überall sah es gleich aus. Frustriert und ohne Hoffnung sank sie wieder zu Boden. Ihr Magen knurrte. Jetzt wünschte sie sich einen von Enifis Honigkuchen und kühles Wasser, außerdem Aurans unkonventionelle Einfälle. Minuten- oder Stundenlang saß sie so da und starrte vor sich hin. Dann stand sie auf und lief einfach los. Schritt um Schritt, Meter um Meter durch die staubige rote Wüste. Sie fühlte sich hilflos und allein. Tränen liefen über ihre Wangen und hinterließen dreckige Rinnen auf ihrem Gesicht.

Dann erblickte sie etwas glitzerndes am Horizont.

[…]

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